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DRK-Volunta kritisch zum Corona-Kriseneinsatz für Freiwillige

Bundesfamilienministerin Giffey ruft freigestellte Freiwillige zum Corona-Einsatz auf. Für die Freiwilligendienste ist dieses Angebot wenig hilfreich, urteilt die hessische Rotkreuz-Tochter Volunta.

Wiesbaden, den 23.04.2020

Zur Eindämmung der Corona Pandemie bleibt der Unterricht an Schulen eingeschränkt und Kitas geschlossen. Die dort eingesetzten Freiwilligen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD) wurden freigestellt und ihnen wie allen anderen Bürger/- innen ein strenges Kontaktverbot auferlegt. Nun werden freigestellte Freiwillige von Bundesfamilienministerin Giffey zum freiwilligen Corona-Kriseneinsatz zurückgerufen. Für sie wurde die Online-Plattform „Freiwillige helfen jetzt“ freigeschaltet. Freiwillige bekämen so die Möglichkeit, unbürokratisch und schnell an eine andere Einsatzstelle zu wechseln – beispielsweise dahin, wo jetzt dringend Helfer gebraucht werden. Bundesfamilienministerin Giffey sieht die Beschäftigungsfelder vor allem in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder bei der Lebensmittelversorgung von Bedürftigen. Dem Angebot steht die hessische Rotkreuztochter Volunta kritisch gegenüber.

Schließungen und Freistellung aktiver Beitrag zur Eindämmung der Pandemie

Die Freistellung der Freiwilligen in Kitas und Schulen ist ein aktiver Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Es ist also geradezu widersinnig, die staatlich verordnete Freistellung durch die Hintertür aufzuheben und dadurch wieder vielfältige soziale Kontakte zu ermöglichen.

Andererseits ist es oberste Aufgabe der Träger von Freiwilligendiensten, den Freiwilligen auch während der Corona-Krise sinnvolle Beschäftigungs- und Begleitmaßnahmen anzubieten, die den Freiwilligendienst bereichern. „Hier liegt ja gerade das Know-how der Träger. Wir kennen das Potenzial unserer Freiwilligen und die Erfordernisse in den Einsatzstellen“, so Volunta-Geschäftsführer Peter Battenberg.

Für alternative Beschäftigungsangebote braucht es keinen staatlichen Eingriff

„Alternative Beschäftigungsangebote bekommen die Freiwilligen in Absprache mit ihren Einsatzstellen schon jetzt von uns. Außerdem arbeiten wir mit Hochdruck an digitalen Angeboten“, sagt Battenberg. Es sei trotz geschlossener Kita möglich, die Freiwilligen z.B. in der Notbetreuung einzusetzen. Freiwillige, die als Schulassistenzen oder in Jugendzentren eingesetzt werden, könnten online von zu Hause Schülerinnen und Schüler bei den Hausaufgaben unterstützen oder einfach nur ansprechbar sein, z.B. telefonisch. Hier sind vor allem Verantwortungsbewusstsein und die Kreativität aller Beteiligten gefragt. Es kann auch sinnvoll sein, Freiwillige unter bestimmten Umständen in einer anderen Einsatzstelle unterzubringen. Gerade DRK-Einsatzstellen böten hier sinnvolle Möglichkeiten. Es mache aber keinen Sinn, Freiwilligendienste außerhalb seiner Strukturen stattfinden zu lassen, so Battenberg.

Die online-Plattform „Freiwillige helfen jetzt“ des Bundesfamilienministeriums verweist auch auf die Initiative hilf-jetzt.de. Hier haben sich Gemeinden und Freiwilligenagenturen zusammengeschlossen, die zur Solidarität und Hilfe während der Corona-Pandemie aufrufen. Die örtlichen Freiwilligenagenturen mögen es zur Recht begrüßen, dass es in der Krise eine staatliche Hilfe bei der Vernetzung von Helfern und Hilfesuchenden gibt. Bei den gesetzlichen Freiwilligendiensten regeln aber Träger und Einsatzstellen gemeinsam den zivilgesellschaftlichen Einsatz der Freiwilligen. „Die Aufhebung dieses Prinzips und eine Vereinnahmung der Freiwilligendienste durch den Staat sehen wir als kritisch“, sagt Battenberg.

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